§ 164 – Verfahren zur Zertifizierung und Benennung von Übertragungsnetzbetreibern
📝 Zusammenfassung
Die E-Control zertifiziert Übertragungsnetzbetreiber nach einem von 4 Modellen: Eigentumsrechtliche Entflechtung (OU), Unabhängiger Netzbetreiber (ISO), Unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber (ITO) oder gleichwertig. Verfahren: 4 Monate für Entscheidungsentwurf, EU-Kommission wird beteiligt. Benennung erfolgt durch den Bundesminister im BGBl.
Suchbegriff: "Unabhängigkeit"
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Zertifizierung von Übertragungsnetzbetreibern
Die Zertifizierung ist der formelle Nachweis, dass ein Übertragungsnetzbetreiber die Entflechtungsvorschriften erfüllt.
Vier Zertifizierungsmodelle
| Modell | Paragraph | Beschreibung |
|---|---|---|
| OU (Ownership Unbundling) | § 154 | Vollständige eigentumsrechtliche Trennung |
| ISO (Independent System Operator) | §§ 155-157 | Unabhängiger Netzbetreiber |
| ITO (Independent Transmission Operator) | §§ 158-162 | Unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber |
| Gleichwertig | § 163 | Wirksamere Unabhängigkeit als ITO |
Einleitung des Verfahrens
| Anlass | Beschreibung |
|---|---|
| Auf Antrag | Durch Übertragungsnetzbetreiber |
| Von Amts wegen | Bei fehlender Antragstellung oder Änderungen |
| EU-Anzeige | Auf Anzeige der Europäischen Kommission |
Verfahrensablauf
| Schritt | Frist |
|---|---|
| Entscheidungsentwurf an EU-Kommission | 4 Monate |
| EU-Stellungnahme | (Variabel) |
| Bescheid durch E-Control | 2 Monate nach Stellungnahme |
EU-Beteiligung
- Bei OU und gleichwertig: Stellungnahme “so weit wie möglich” berücksichtigen
- Bei ISO: E-Control muss der EU-Entscheidung nachkommen
Benennung (Abs. 8)
Nach Zertifizierung:
- Kundmachung durch Bundesminister im BGBl
- Mitteilung an EU-Kommission
- Bei ISO und gleichwertig: Vorab-Zustimmung der EU-Kommission
In Österreich: Die Austrian Power Grid AG (APG) ist als eigentumsrechtlich entflochtener Übertragungsnetzbetreiber (OU) zertifiziert.
(1) Der Regulierungsbehörde obliegt die ständige Überwachung der Einhaltung der Entflechtungsvorschriften (§§ 154 bis 163). Sie hat einen Übertragungsnetzbetreiber mittels Bescheid zu zertifizieren
- als eigentumsrechtlich entflochtenen Übertragungsnetzbetreiber im Sinne des § 154 oder
- als unabhängigen Netzbetreiber im Sinne der § 155 bis § 157 oder
- als unabhängigen Übertragungsnetzbetreiber im Sinne der § 158 bis § 162 oder
- als Übertragungsnetzbetreiber im Sinne des § 163.
(2) Ein Zertifizierungsverfahren ist einzuleiten
- über Antrag eines Übertragungsnetzbetreibers gemäß Abs. 3 Z 1;
- von Amts wegen, wenn
- ein Übertragungsnetzbetreiber keinen Antrag auf Zertifizierung gemäß Abs. 3 Z 1 stellt oder
- die Regulierungsbehörde Kenntnis von einer geplanten Änderung erlangt, die eine Neubewertung der Zertifizierung erforderlich macht und zu einem Verstoß gegen die Entflechtungsvorschriften führen kann oder bereits geführt hat;
- über Anzeige der Europäischen Kommission.
(3) Der Übertragungsnetzbetreiber ist verpflichtet,
- einen Antrag auf Zertifizierung unverzüglich zu stellen, sofern der Übertragungsnetzbetreiber noch nicht zertifiziert ist, sowie
- der Regulierungsbehörde alle geplanten Änderungen, die eine Neubewertung der Zertifizierung erforderlich machen, unverzüglich anzuzeigen.
(4) Die Regulierungsbehörde hat einen begründeten Entscheidungsentwurf binnen vier Monaten ab Einleitung eines Verfahrens über die Zertifizierung eines Übertragungsnetzbetreibers bzw. ab Vorliegen der vollständigen Unterlagen des Übertragungsnetzbetreibers an die Europäische Kommission samt den für die Entscheidung relevanten Unterlagen zu übermitteln. Erfolgt eine Stellungnahme der Europäischen Kommission, ist diese von der Regulierungsbehörde beim Zertifizierungsverfahren gemäß Abs. 1 Z 1 und 3 so weit wie möglich zu berücksichtigen und ist eine allfällige Abweichung von der Stellungnahme der Europäischen Kommission zu begründen. Die Regulierungsbehörde hat nach dem Einlangen der Stellungnahme der Europäischen Kommission binnen zwei Monaten mit Bescheid über den Antrag auf Zertifizierung zu entscheiden.
(5) In Abweichung von Abs. 4 gilt Folgendes:
- beim Zertifizierungsverfahren gemäß Abs. 1 Z 2 hat die Regulierungsbehörde der Entscheidung der Europäischen Kommission nachzukommen;
- beim Zertifizierungsverfahren gemäß Abs. 1 Z 4 prüfen die Regulierungsbehörde und die Europäische Kommission, ob die bestehenden Regelungen eindeutig eine wirksamere Unabhängigkeit des Übertragungsnetzbetreibers gewährleisten als die Bestimmungen zum unabhängigen Übertragungsnetzbetreiber (§§ 158 bis 162); die Regulierungsbehörde hat der Entscheidung der Europäischen Kommission nachzukommen.
(6) Die Regulierungsbehörde hat alle im Rahmen des Verfahrens gemäß Art. 51 der Verordnung (EU) 2019/943 mit der Europäischen Kommission gepflogenen Kontakte ausführlich zu dokumentieren. Die Dokumentation ist dem Unternehmen, das die Ausstellung der Bescheinigung verlangt hat sowie dem Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus zur Kenntnis zu bringen. Der Feststellungsbescheid ist samt Begründung von der Regulierungsbehörde zu veröffentlichen, wobei jedoch Stellen, die wirtschaftlich sensible Informationen enthalten, unkenntlich zu machen sind. Die Stellungnahme der Kommission ist, soweit sie nicht in der Begründung des Feststellungsbescheides wiedergegeben wird, ebenfalls zu veröffentlichen.
(7) Übertragungsnetzbetreiber und Unternehmen, die eine der Funktionen Erzeugung oder Lieferung wahrnehmen, sind verpflichtet, der Regulierungsbehörde und der Europäischen Kommission sämtliche für die Erfüllung ihrer Aufgaben relevanten Informationen unverzüglich zu übermitteln.
(8) Die Benennung eines Übertragungsnetzbetreibers nach erfolgter Zertifizierung gemäß Abs. 1 erfolgt durch Kundmachung durch den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus im Bundesgesetzblatt. Der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus hat die Benennung eines Übertragungsnetzbetreibers der Europäischen Kommission mitzuteilen, sobald die Regulierungsbehörde die Zertifizierung eines Übertragungsnetzbetreibers durch Bescheid festgestellt hat. Die Benennung eines unabhängigen Netzbetreibers gemäß Abs. 1 Z 2 und 4 bedarf vorab der Zustimmung der Europäischen Kommission. Wenn die Regulierungsbehörde durch Bescheid feststellt, dass die Voraussetzungen für eine Zertifizierung aufgrund eines Verstoßes gegen die Entflechtungsvorschriften nicht mehr vorliegen, ist die Benennung durch den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus durch Kundmachung zu widerrufen.